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Wildpflanzen am Wegesrand

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Die leise Kraft der Birke - eine Geschichte im Glas

Gestern zeigte sich der Frühling in seiner stillen Pracht. Die Sonne fiel weich durch die hellen Kronen der Birken, und das Zwitschern der Vögel begleitete jeden Schritt. Unsere kleine Gruppe bewegte sich langsam durch den Birkenstreifen am ehemaligen Mauerstreifen, dem heutigen Grünen Band in Berlin Schönholz.


Wir hielten inne, schauten, lauschten. Überall war Bewegung des neuen Lebens zu spüren. Zwischen den Zweigen standen die ersten Knospen, noch klein und unscheinbar, und doch voller Versprechen auf das, was bald entstehen wird.


Wir setzten uns, sprachen kurz über den heutigen Tag und warum wir hier sind. Dann begannen wir, die Knospen zu sammeln. Geduldig und behutsam, so wie man es nur kann, wenn man etwas Wertvolles in den Händen hält.


Zwischen unseren Händen und den Birken entstand ein besonderer Moment der Stille. Wir schauten auf das, was wir gesammelt hatten, und spürten plötzlich, was wir wirklich hielten: einen kleinen Winzling, der unter seinen zarten Schuppen bereits das Leben eines zukünftigen Baumes in sich trägt. Für einen Augenblick war die Verbindung zur Pflanze so nah, als könnten wir den kommenden Frühling leise per Handschlag willkommen heißen.


Später, in der warmen Sonne sitzend, schnippelten wir die Knospen für unser Gemmomazerat. Die Arbeit war ruhig und fast meditativ. Während unsere Hände arbeiteten, entstanden ganz von selbst Gespräche, Lachen und dieses stille Gefühl von Gemeinsamkeit.


Als alles vorbereitet war, füllten wir unsere Gläser mit dem Ansatz. Vorsichtig packten wir die kleinen Schätze in die Rucksäcke, und irgendwie hatten wir das Gefühl, ein Stück Frühling mit nach Hause zu tragen.


Die Birke steht seit jeher für Neubeginn. Sie hilft dem Körper, das Alte loszulassen und schafft Raum für neue Kraft.


Ein Anfang – draußen in der Natur und auch in uns.



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