Zwischen Himmel und Erde - Frühling (Teil 1 - 12.03.2026)

Der Frühling im Park ist wie ein Orchester, das gerade erst beginnt, sich einzuspielen. Jeder Ton taucht einzeln auf, und plötzlich merkt man: Die ganze Landschaft ist wach.
Ich gehe durch den Volkspark Rehberge. Die Luft ist kühl, aber sie trägt schon dieses feine Versprechen von Wärme. Über mir zieht ein Mäusebussard seine weiten Kreise. Sein Ruf fällt durch den Himmel wie ein Echo aus einer anderen Höhe. Ruhig. Stolz. Ein Vogel, der genau weiß, dass ihm hier oben gerade die Bühne gehört.
Ich beobachte ihn, solange er es mir erlaubt, und bedanke mich für seine Gesellschaft.
Dann gehe ich weiter. Nach ein paar Schritten bleibe ich stehen und lehne mich kurz an eine Birke. Kaum habe ich mich angelehnt, durchschneidet ein scharfer Ruf die Stille. Aus der benachbarten Fichte meldet sich ein Habicht. Der Ruf klingt fast wie eine Warnung:
Hier wird aufgepasst.
Ich fange den Wächter zu suchen. Lange. Sehr lange.
Die Augen wandern von Ast zu Ast, vom Baum zum Baum. Aber dieser Meister der Tarnung bleibt unsichtbar. Ich habe das Gefühl, er amüsiert sich jetzt ganz prächtig, wie verzweifelt ich ihn zu finden versuche.
Der Wald spielt sein kleines Versteckspiel – und diesmal gewinnt er.
Ich gehe weiter.
Und dann passiert einer dieser Momente, die einem für einen Augenblick den Atem nehmen. An einem Baumstamm sehe ich Bewegung. Vorsichtig ziehe ich mein Handy aus der Tasche. Keine hastige Bewegung, nur langsam. So, als würde schon das Rascheln der Jacke diese Szene auflösen können.
Was dort geschieht, kann ich mir schon denken.
Ein kleiner Vogel arbeitet konzentriert an einer Baumhöhle. Es ist ein Kleiber.
Immer wieder fliegt er ums Loch und pickt am Rand. Sein Schnabel wirkt verschmutzt, als hätte er Erde, Moos oder Lehm daran.
Und tatsächlich: Der Kleiber ist hier nicht nur zu Besuch. Er ist Bauherr.
Kleiber können selbst kaum Höhlen hacken. Stattdessen suchen sie alte Spechthöhlen oder natürliche Öffnungen in Bäumen. Und dann beginnt ihre erstaunliche Handwerkskunst. Mit feuchtem Lehm formen sie den Eingang der Höhle neu und verkleinern ihn so lange, bis er genau die richtige Größe hat – groß genug für sie selbst, aber zu eng für mögliche Räuber oder Konkurrenten.
Eine Art maßgeschneiderte Haustür mitten im Wald.
Der kleine Vogel arbeitet konzentriert weiter, als wäre die ganze Welt gerade nur diese eine Aufgabe.
Ich stehe still und schaue zu.
Und wieder einmal zeigt mir der Frühling, dass die Natur voller Geschichten ist – man muss nur langsam genug gehen, um sie zu sehen.
In zwei Wochen bin ich wieder da und bringe die Neuigkeiten vom Bauplatz.


